Was ist TRE®?

TRE® ist die Abkürzung für „Tension and Trauma Releasing Exercises“. Auf Deutsch also: „Übungen zur Befreiung von Anspannung und Trauma“. Beim TRE geht es ums Zittern. Aber was hat es damit auf sich?

Die Theorie: Unsere normale körperliche Reaktion auf jede Art von Stress oder Bedrohung ist Kampf oder Flucht. Der Körper zieht sich zusammen, die Muskeln und Faszien spannen sich an, Adrenalin wird ausgeschüttet, Energie bereitgestellt. Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich sind oder die Situation sogar als lebensbedrohlich empfunden wird, fallen wir in eine Starre. Der Körper „friert“ die überschüssige Energie ein. Unser Nervensystem steckt dann im Gefahrenmodus fest, die Muskulatur bleibt angespannt, Stresshormone verbleiben im Körper. Dieser biologisch-neurologische Kreislauf lässt sich nicht über den Verstand durchbrechen, sondern nur über die körperliche Ebene.

Hier setzt die TRE®-Methode an: Die Übungen aktivieren unseren körpereigenen Zittermechanismus. Wir zittern zum Beispiel reflexartig während oder nach Aufregung, Angst oder Wut, Stress oder Überlastung, nach einem Schock oder Unfall genauso wie bei langanhaltender seelischer Belastung. Zittern ist ein in jedem Körper angelegter instinktiver und autonomer Lösungsmechanismus. Durch die Vibrationen schüttelt der Körper auf natürliche Weise die überschüssige Anspannung und Energie ab. Zittern reguliert das Nervensystem, harmonisiert die Hormonausschüttung, löst überflüssige Spannung in den Muskeln und Faszien. Es ermöglicht uns dadurch, vom Gefahrenmodus in den Ruhemodus zurück zu kehren.

Im modernen Alltag unterdrücken wir diesen natürlichen Vorgang der Spannungsregulation weitgehend. Ständige Reizüberflutung hält uns stattdessen in einem Zustand dauernder Übererregung.

Die Praxis: Beim TRE® geht es also darum, unseren Körper zum Zittern zu bringen, um uns energetisch zu entlasten. Da man das neurogene, körpereigene Zittern nicht von außen auslösen kann, benutzen wir einen kleinen Trick: Wir provozieren zunächst ein Zittern unserer Beinmuskulatur durch Belastung und Ermüdung. Die TRE®-Übungen bewirken, dass sich die Vibrationen von den Beinen aus über den Psoas-Muskel im ganzen Körper ausbreiten können. Eine nähere Beschreibung gibt es hier.

Eine erste TRE®-Übungseinheit mit Einführung dauert ungefähr eineinhalb Stunden. Für einen kompletten Übungsdurchgang Zuhause benötigt man etwa 30 Minuten. Wenn der Körper sich an das Zittern gewöhnt hat, lässt es sich leicht auslösen und führt in wenigen Minuten zu mehr Wohlbefinden. Die ersten Male sollte unter Anleitung einer TRE®-Providerin geübt werden.

Das Ergebnis: Nach TRE® stellt sich erfahrungsgemäß ein Gefühl tiefer Entspannung auf körperlicher und geistiger Ebene ein.

Die Übungen lockern den Psoas-Muskel, das Becken und das Zwerchfell, sie führen auf sanfte Weise zu einer tieferen Atmung und einer aufrechteren Haltung. TRE® löst Verspannungen, beruhigt, verbessert unsere Eigenwahrnehmung, aktiviert den ventralen Vagusnerv und damit unsere Präsenz und Kontaktfähigkeit, fördert die Beweglichkeit und senkt die Stressanfälligkeit.

Dadurch lindert TRE® viele negative Auswirkungen von ganz normalem Alltagsstress sowie beruflicher und seelischer Belastung.

TRE® kann die Heilung von psychischen und körperlichen Beschwerden und Traumata unterstützen, da es sich positiv auf das gesamte Nervensystem, die Körperfunktionen und den Hormonhaushalt auswirkt.

TRE® stärkt unsere Resilienz durch die Erfahrung der Selbstwirksamkeit.

 

TRE® ist keine Therapie! Mehr dazu und zu möglichen weiteren Auswirkungen der Übungen lesen Sie hier.

 

 

Skeptisch? Die Vorstellung, absichtlich zitternd auf dem Boden zu liegen, erscheint wenig attraktiv? So ging es mir auch. Mittlerweile habe ich die wohltuende Wirkung von TRE® schätzen gelernt und lade dazu ein, es einfach einmal auszuprobieren und am eigenen Körper zu erfahren.

In diesem kleinen Video wird sehr schön beschrieben, wie TRE® wirkt: